BIOGRAFIE

KURZBIOGRAFIE

Thomas Podhostnik, geboren 1972 in Radolfzell am Bodensee, ist ein deutscher Schriftsteller mit slowenisch-jugoslawischen Wurzeln. Nach einer Ausbildung zum Regieassistent am Teatro Nacional de Cuba in Havanna, absolvierte er anschließend das Deutsche Literaturinstitut Leipzig. Er schreibt Romane, Erzählungen und experimentelle Prosa. Thomas Podhostnik lebt als freier Autor und Literaturvermittler in Leipzig und ist Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.

BIOGRAFIE UND SCHREIBEN

Thomas Podhostnik wurde 1972 in Radolfzell am Bodensee geboren. Nach einer Ausbildung zum Speditionskaufmann erwarb er auf dem zweiten Bildungsweg die Hochschulreife. Von 1997 bis 1999 ließ er sich am Teatro Nacional de Cuba in Havanna zum Regieassistenten ausbilden, anschließend studierte er einige Semester Soziologie und Politik an der Universität Konstanz. Von 2002 bis 2007 studierte er am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und schloss dort mit Diplom ab. 
Seitdem arbeitet Podhostnik als freier Schriftsteller. Seine Prosa kreist um Herkunft und Zugehörigkeit, soziale Ordnung, Erinnerung, Gewalt und die Frage, wie sich ein Leben erzählen lässt, wenn die verfügbaren gesellschaftlichen und sprachlichen Ordnungen dafür nicht ausreichen. Migration erscheint dabei weniger als abgeschlossenes Thema denn als Perspektive auf Fremdheit, Klassenverhältnisse, Sprache und die Unsicherheit von Identität.
Literarische Bezugspunkte liegen sowohl in der existenzialistischen Literatur, etwa bei Albert Camus und Gaito Gasdanow, als auch in der Tradition russischer Erzähler. Daneben prägen experimentelle Verfahren und die Verbindung von Sprache und visueller Wahrnehmung sein Schreiben. In Büchern wie Die Hand erzählt vom Daumen und Frame lassen sich Bezüge zu Peter Weiss und zu filmischen und bildkünstlerischen Wahrnehmungsformen erkennen. Die sprachliche Verknappung und Härte, wie sie etwa Der gezeichnete Hund und Der falsche Deutsche bestimmen, stehen zugleich in einer Nähe zu der Prosa Ágota Kristófs oder Arno Schmidts.
Podhostnik interessiert sich weniger für die Wiederholung einer bestimmten literarischen Form als für die Frage, welche Form ein Stoff verlangt. Seine Bücher reichen vom stark reduzierten Roman über Mikroprosa und grafische Erzählformen bis zum Briefroman. Gemeinsam ist ihnen der Versuch, konventionelle Erzählweisen dort aufzubrechen, wo sie Erfahrungen von Fremdheit, Gewalt, Erinnerung oder sozialer Ausgrenzung eher verdecken als sichtbar machen.

BIBLIOGRAFIE

Romane

Der gezeichnete Hund. Luftschacht Literaturverlag, Wien 2008.
Die Hand erzählt vom Daumen. Luftschacht Literaturverlag, Wien 2011.
Der falsche Deutsche. Luftschacht Literaturverlag, Wien 2015.
Frame. Mikroroman. Parasitenpresse, Köln 2021.
Der Spatzenkaiser. Luftschacht Literaturverlag, Wien 2023.
Dear Mr. Saunders – Die Bibliothek der unverkäuflichen Bücher. Parasitenpresse, Köln 2024.
Dear Mr. Saunders – Ich, Untermensch. Parasitenpresse, Köln 2024.
Dear Mr. Saunders – Chatanga. Parasitenpresse, Köln 2025.

ERZÄHLUNGSBÄNDE UND PROSA

Mittwacht. Verlagshaus Berlin, Berlin 2014.
Ein anderer Däne. Literatur-Quickie Verlag, Hamburg 2018.
Unter Steinen. Parasitenpresse, Köln 2019.

VERÖFFENTLICHUNGEN IN LITERATURZEITSCHRIFTEN UND ANTHOLOGIEN – AUSWAHL

Verstecken. In: Edit – Papier für neue Texte, Nr. 38, Leipzig 2005.
Pod kamieniami. In: Ha!art, Krakau 2006.
Meduza. In: Edit – Papier für neue Texte, Nr. 45, Leipzig 2008.
Ein Pfau in Havanna. In: Ludzie, miasta. Literatura Białorusi, Niemiec, Polski i Ukrainy. Krakau 2008.
Einaugen. In: Edit – Papier für neue Texte, Jubiläumsausgabe Nr. 50, Leipzig 2009.
Kurent. In: Der Maulkorb, Nr. 23, Dresden 2018.
Du bist der Mann. In: Ostragehege, Nr. 99, Dresden 2021.
Urlaub in Cannes – Tagebuch (Auszug), Ostragehege, Nr. 119, Dresden 2026.

ÜBERSETZUNGEN

Ana Pepelnik: nicht fisch. Gedichte. Aus dem Slowenischen gemeinsam mit Amalija Maček, Matthias Göritz und Adrian Kasnitz. Parasitenpresse, Köln 2023.
Lyrik-Empfehlung 2024.
Thomas Podhostnik: Dear Mr. Saunders. Slowenische Übersetzung von Blaž Božič Boško. LUD Šerpa, Ljubljana 2026.

AUSZEICHNUNGEN UND STIPENDIEN – AUSWAHL

2005
Stipendiat des 9. Klagenfurter Literaturkurses
Kulturförderungspreis des Landes Kärnten, Sparte Literatur
2006
Arbeitsstipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg
Stipendium der Villa Decius, Krakau (Homines Urbani)
2010
Arbeitsstipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, Šamorín
2011
Stipendium der Denkmalschmiede Höfgen
2018
Arbeitsstipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, Agnetendorf
2019
Dialog 19 – Werkstattstipendium des Goethe-Instituts St. Petersburg und des Museums für Nonkonformistische Kunst
2025
Arbeitsstipendium des International Writers‘ and Translators‘ House Ventspils, Lettland
2026
TRADUKI-Übersetzungsförderung für Dear Mr. Saunders (Deutsch–Slowenisch)
TRADUKI-Förderung einer Lesetour in Graz, Klagenfurt, Ljubljana, Ptuj und Köln

LITERATURVERMITTLUNG

Thomas Podhostnik liest regelmäßig in Kulturinstitutionen und moderiert Literaturgespräche und Veranstaltungen.
Er leitet Seminare und Werkstätten zum literarischen Schreiben sowie zur Gegenwartsliteratur, unter anderem für die Textmanufaktur. Schwerpunkte sind die genaue Lektüre von Texten, Fragen von Perspektive, Sprache und Dramaturgie sowie die Entwicklung individueller literarischer Formen.
Im Leipziger Literaturraum TEXTAT veranstaltet er zusammen mit Sebastian Brock die Lesereihen Paarungen mit Schwerpunkt Prosa/Lyrik und Gezwitscher, eine Verbindung von Lyrik und Ornithologie. Zur Leipziger Buchmesse ist er außerdem Mitveranstalter und Moderator der Reihe Books & Beers im Westflügel Leipzig.